Mehrgenerationenatelierhaus in Selbstverwaltung

Entwurf, 2019

Die Nutzer*innen des Atelierhaus haben ein Konzept für ein Mehrgenerationenatelierhaus in Selbstverwaltung/Erbbaurecht entwickelt.
Kunst braucht Standort – München braucht lebendige Kultur

„Auch eine Stadt wie München lebt von seinen Kunststätten, kulturellen Ereignissen und von und mit seinen Künstlern. Was hält eine Stadt lebendig, treibt sie voran? Was sollte sich eine Stadt „leisten“ können, ohne gleich einen Mehrwert aus kulturellen Veranstaltungen zu generieren? Um eine lebendige Szene zu etablieren, braucht es Unterstützung für Künstler, nicht nur finanzieller Art, sondern vorrangig einen Ort, ein Gelände, Räume, um Ideen und Vorhaben entwickeln und realisieren zu können. Eine Subkultur. Nicht zuletzt entwickeln sich aus dieser bekannte, gute Künstler. Dieser Ort kann nicht von oben verordnet werden, er muss sich entwickeln, vor sich hertreiben können, absichtslos, ein Versuchslabor sein. Städte brauchen diese Ecken. Geplante Kunstareale können mit einer Architektur, die von vornherein festgeschrieben wird, ihre Lebendigkeit nicht so entwickeln, wie ein überlassenes, transformierbares Areal den Akteuren die Möglichkeit eröffnet, sich die eigene Kunstlebenswirklichkeit zu schaffen.

Während der letzten 25 Jahre entwickelte sich im Gelände an der Dachauer Straße eine gewachsene Szene, die der Brache ein Gesicht und Lebendigkeit gaben, vor allem wurde sie zu einem Kunst/Kultur-Ort verwandelt und umgebaut. KünstlerInnen gestalteten ihre Produktions- und Lebensstätten, die mit viel eigenen Ideen und Mitteln auch die Erscheinung des gesamten Geländes prägten.

Ein Kreativquartier ist von der Stadt München geplant und wird entstehen. Vieles wird verschwinden und von der neuen Architektur festgelegt werden, die auch Wege, Räume, Nutzungen und Wahrnehmungen eröffnet für Jahrzehnte festschreibt.

Wie hat alles angefangen?
2009 wurden wir KünstlerInnen des Atelierhauses über einen bevorstehenden Abriss des Gebäudes benachrichtigt. Daraufhin gründeten wir den gemeinnützigen Verein Atelierhaus Dachauer Straße e.V. und stellten einen Erbpachtantrag 2010 an die Stadt München um das Haus zu erhalten. Zahlreiche Aktivitäten, u.a. eine prominent besetzte Podiumsdiskussion zum Thema: Kunst braucht Standort – München braucht lebendige Kultur! sowie Ausstellungs- und Diskussionsreihen folgten.

Aus diesen Überlegungen heraus entstand eine konkrete Vorstellung der KünstlerInnen des Atelierhauses, wie das Atelierhaus weitergeführt werden könnte.
Einmal bildet das Atelierhaus mit dem geplanten Ausbau der Tonnen- und Jutierhalle als Kreativquartier ein gewachsenes Ensemble. Für das Entstehen eines kulturzentrierten Stadtviertels ist das Atelierhaus für das städtische Leben Münchens ein großer Gewinn.

Das Atelierhaus ist umgeben von Pathos Theater, Subkultur, Kreativwirtschaft. Das Haus ist in einem guten baulichen Zustand und in seiner Tauglichkeit bereits über fast zwei Jahrzehnte als Arbeitsort für bildende Künstler erprobt .

Wir verfolgen immer noch unser Projekt der Realisierung eines Mehrgenerationen-Atelierhauses in Erbbaurecht und in Selbstverwaltung.
Das Mehrgenerationen-Atelierhaus dagegen könnte innovative Strategien zum Umgang mit dem Älter-, Weniger- und Vielfältiger-Werden der Menschen aufzeigen, es würde unsere gegenwärtigen, gesellschaftlichen Entwicklungen widerspiegeln und Raum für gemeinsame Aktivitäten und Austausch bieten.
Dieses Modell eines Mehrgenerationen-Atelierhauses gibt es in München noch nicht und könnte somit eine Vorreiterrolle spielen.

Wir erneuern unser Angebot an die Stadt München von 2011 und 2015:

Angebot an die Stadt München 
Erwerb des Atelierhauses in Selbstverwaltung/Erbbaurecht
Das Atelierhaus, das über 26 Ateliers verfugt, soll als Mehrgenerationenprojekt geführt und im Erdgeschoss ausgebaut (u.a. künstlerische Betreuung für Kinder/Jugendliche und Erwachsene, Druckwerkstatt, Ausstellungsraum, Cafe/Bistro mit Galerie) werden. Dabei ist u.a. an eine Kooperation mit der VHS und dem Bezirksausschuss, Einbezug der neuen Bewohner des entstehenden Viertels gedacht).
Dass Atelierhaus ist mit professionellen KünstlerInnen aus verschiedenen Generationen besetzt und wird mit jungen KünstlerInnen, wie z.B. Akademieabgängern ergänzt werden, so dass ein Mehrgenerationenhaus in Selbstverwaltung weiter bestehen kann.
Gerade für ältere Künstlerlnnen (Dazu eine Bemerkung von Prof. Berking auf der Podiumsdiskussion: „In München darf man als Künstler nicht über 40 werden!“)
ist es in München sehr schwer geworden, ein bezahlbares Atelier als festen Standort anzumieten und nicht zu fortwährenden Umzügen ( 5 Jahres-Regelung bei städt. Ateliers) mit der damit einhergehenden Unsicherheit gezwungen zu sein. Die Künstlerlnnen haben hier während zwei Jahrzehnten eine etablierte Szene geschaffen, die das Areal atmosphärisch mitgeprägt hat.

Bei der Besetzung der KünstlerInnen  ist an eine Mischung aus jüngeren und älteren KünstlerInnen, gedacht. Möglich wäre, einen Anteil von 70 % Künstler ab 40 Jahren mit 30 % Jüngeren zu mischen.
Die KünstlerInnen des Atelierhausvereins haben an die Stadt München 2011 nun folgenden Vorschlag herangetragen:

Die Stadt München überlässt das Atelierhaus, d.h. das Grundstück auf dem das Atelierhaus steht, dem Atelierhausverein im Erbbaurecht für mindestens 50 Jahre. Das Haus wird dem Verein zu einem symbolischen Preis von z.B. € 1.- überlassen (bei einem Abriss würden hohe Kosten für einen Abbruch entstehen. Ergänzung 2015: Kauf des Atelierhauses durch den Verein.(Eine Freimachung des Geländes wurde uns vom Kommunalreferat, am 17.03.2008 als Grund für eine Verkürzung der Kündigungsfrist im Mietvertrag genannt; diese ist bis heute wirksam).

Ein ausführlicher Kostenplan, der unsere Vorstellungen finanziell erläutert, liegt der Stadt vor.
(s. Anlage -Angebot an die Stadt München von 2011 mit Kostenplan mit
Kurzbewertung des Atelierhauses)

Auf der Bürgerversammlung des Bezirksausschusses Neuhausen/Nymphenburg am 14.12. 2019 wurde unser Antrag Mehrgenerationenatelierhaus von den Anwesenden positiv entschieden.

Sara Rogenhofer“

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